Aphorismen – Ein Naserümpfen des Gehirns
Wochenpost Langenfeld, 28. Juli 2009
Sommerakademie: Lachen reinigt die Zähne
Im Rahmen der Sommerakademie traten am Freitag zwei zeitgenössische Aphoristiker im Langenfelder Flügelsaal auf. Prof. Dr. Gerhard Uhlenbruck und Dr. Jürgen Wilbert versuchten, sich in Wortwitz und Kürze ihrer Aphorismen zu übertrumpfen. Musikalisch begleitete das Duo Gitarrist Jochen Jasner.
Langenfeld (piwi). Wenn sich ein Kölner und ein Düsseldorfer treffen, endet das nicht selten in einem Wortgefecht. Sind diese beiden Aphoristiker und treffen sich zudem in der goldenen Mitte, also in Langenfeld, führt das zu einem Dialog der Extraklasse. Am Freitagabend durften etwa fünfzig Zuschauer im Flügelsaal der VHS Zeugen davon werden, was man mit Worten im Sinne kurzer philosophischer Wortspiele, die manchmal kritisch, manchmal weise einen Gedankengang ans Licht bringen, so alles anstellen kann. Der Düsseldorfer Dr. Jürgen Wilbert erklärte diese, erst seit kurzem als eigene, Prosagattung anerkannte Textform so: „Worte finden für das, was einem die Sprache verschlägt“ oder: „Ein Aphorismus ist ein Naserümpfen des Gehirns“. Der Erwachsenenbildner und Kulturarbeiter hat bereits fünf Aphorismenbände veröffentlicht und schreibt am liebsten kleine Sprüche über politische, gesellschaftliche und zwischenmenschliche Themen. „Wer anderen die Worte im Mund herumdreht, der benutzt gerne Redewendungen.“ Fünf Bücher gefüllt mit Aphorismen! Bescheiden im Vergleich zu dem literarischen Werk von Prof. Dr. Gerhard Uhlenbruck. Der Kölner bringt das Publikum mit seiner lockeren Unorganisiertheit zum Lachen. „Ich bin heute völlig unsortiert und unorganisiert“, sagt Uhlenbruck. „Typisch Kölner, wie beim Vorstand vom 1.FC Köln!“ Der emeritierte Medizinprofessor hat bereits 30 Bände mit den kleinen Denkanstößen veröffentlicht und behauptet von sich, er habe lange nicht gewusst, was Aphorismen eigentlich sind: „Nach dem zehnten Buch sagte jemand zu mir: ‚Das, was du da schreibst, sind Aphorismen‘.“ Als Medizinprofessor widmet sich Uhlenbruck vor allem dem Alter und der Gesundheit. „Man hält sich für alt und hält sich auch dran.“ Oder: „Die Zeit des Alterns beginnt, wenn man nur noch von alten Zeiten spricht.“ Oder: „Altersdiabetes ist kein Zuckerschlecken!“ Die Liebe der beiden für Aphorismen war so groß, dass sie 2005 das erste und einzige Aphorismen-Archiv in Deutschland gegründet haben. Auf der Internetseite (aphorismen-archiv.de) sind bereits über 4.000 Autoren angemeldet, die regelmäßig ihre kleinen, schlauen oder kritischen Sprüchlein ins Netz stellen.
Begleitet werden die beiden an diesem Abend von Gitarrist Jochen Jasner, der mit seinen südamerikanischen Liedern die Gehirnwindungen der Zuschauer wieder entknotet. „Viele Aphorismen erschließen sich erst nach mehrmaligem Lesen“, weiß Jürgen Wilbert. Deswegen liest er langsam und wiederholt manche längeren Sätze. Das Publikum versteht jedoch und die kleinen Denkanstöße kommen gut an. Am 6. August sind die Kreativen Langenfelds gefragt. Beim Workshop mit Dr. Jürgen Wilbert können sich die Kursteilnehmer selbst im Schreiben von Aphorismen üben und erfahren mehr über die Ursprünge der weisen Sprüchlein. Anmeldung in der VHS-Geschäftsstelle oder telefonisch unter: 02173 – 794481.